Hallo miteinander,
anbei der 2. Artikel über das Thema "CopyTrading" - bevor wir einsteigen, will ich mit einer Aktualisierung der wesentlichen Metriken aus dem letzten Post starten. Danach soll es sich um den Kandidaten selbst drehen, welcher das erst ermöglicht. Dieser Post ist damit eine Aktualisierung und Vertiefung von Teil 1, denn es hat sich wieder einiges getan.
Der Bot hat fleißig weitergearbeitet, V4 ist inzwischen online und auch bei den offenen Positionen gab es ordentlich Bewegung. Die Ergebnisse sind also weiterhin spannend. Gleichzeitig habe ich in den vergangenen Monaten einiges darüber gelernt, wie der Bot arbeitet und warum es sich lohnt, nicht nur auf die Gewinnkurve zu schauen.
Den ersten Teil könnt ihr zum Nachvollziehen hier finden und die Empfehlung ist über diesen Beitrag sanft in das Thema einzusteigen bevor ihr Teil 2 weiterlest.
Da es nur eine Woche Unterschied zu Teil 1 gab, will ich hier mal nur die 2 wesentlichen Graphen abbilden und nicht viel schreiben - schaut einfach selbst.
Von außen drauf schauen ist gut. Zumindest mir geht es dabei so, daß ich mich gern beeindrucken lasse. Ziemlich synchron entwickelt sich aber die Frage nach dem Wie und Warum mit - ich möchte also gern grundsätzlich verstehen, was passiert. Ich lasse mich gern zunächst einlullen, aber schaue schließlich irgendwann hinter den Vorhang. Insofern lasst uns zusammen schauen, was ich aus meinen realen Daten für eine Arbeitsweise des Botes ableiten bzw. sehen kann. Ich will euch also ein wenig in die Mechanik und Arbeitsweise des Bots einführen und nicht noch mehr glossy windowdressing betreiben.
Mir ist beim Schreiben jedenfalls aufgefallen, daß ich doch ganz schön viel herausgefunden habe und mir das ziemlich hilft ein besseres Gefühl zu bekommen, wenn es ungeplant läuft. Schließlich ist es in meiner Welt so, daß ich gern Vorschussvertrauen gebe, aber das letztlich durch Ergebnisse bestätigt werden muss. Wenn wir gedanklich vom anfänglichen Casino-Experiment kommen und wir das in ein ernsthaftes Investment überführen wollen, dann braucht es das Wissen, die Erfahrung und das Verständnis für den Bot.
Dabei bin ich eben eher Investor oder schlicht Profiteur, statt Programmierer oder Optimierer. Das ist ein wichtiger Unterschied. Mich interessiert letztlich nicht der Code oder Details auf Bit-Ebene, aber nachvollziehbar muss es sein. Also dann lasst uns mal schauen, was die bisherigen ca. 32.500 trades uns sagen.
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Ich mache hier keine Werbung für Trading oder Botting, sondern will nur meine Erfahrung teilen, denn ich bin davon überzeugt, daß dies ein spannendes Thema ist.
Ich schrieb ja bereits, daß mein Haupt-Trader schon einiges an Erfahrung hat. Das ist natürlich hier leicht hingeschrieben. Ich möchte als Referenz für die kontinuierliche Arbeit einfach mal die Botversionen anführen, an welchen ich bisher teilhaben durfte. Das ist natürlich kein Selbstzweck, sondern dient letztlich uns Nutzern, weil typischerweise durch Anpassungen im Code des Bots an der Trenderkennung, Flexibilierung der Strategie, Parametrisierung, etc. gearbeitet wird. Im Ergebnis steigert es die Rendite, reduziert das Risiko oder gar beides. Ich denke da an die Chance auf bessere Entscheidungen oder die Vermeidung von Fehlern in dem man bspw. Einstiege besser abschätzt, Trends in verschiedenen Zeitstufen bestätigt, andere Indikatoren berücksichtigt und so weiter. Jedenfalls passieren die Umstellungen automatisch auf Seite des Haupt-Traders und wir kriegen im Betrieb davon nichts mit. Wir kopieren schlicht die Trades, welche der Bot entsprechend beim Haupttätigt.
Schauen wir uns einmal Versionen und Laufzeiten an:
Mit Start am 09.04.26, durch den April, Mai, sowie dem halben Juni: meine initiale Version - also 1
Ab Mitte Juni: Version 2
Ab letztem Drittel im Juli: Version 3
Seit 30.08.26: Version 4
Wie wirkt sich das aus? Daher einfach nochmal den Blick auf die aktualiserte Gewinndarstellung mit den eingetragenen Botversionen.
Legt man die Versionen auf meine Gewinnentwicklung, fällt zumindest auf, dass die Ergebnisse ungefähr ab der Hälfte der Grafik deutlich stärker geworden sind. Ob das tatsächlich an den Bot-Versionen liegt, lässt sich aus meinem Account allein natürlich nicht beweisen – dafür verändern sich zu viele Parameter gleichzeitig. Um nur einige rauszugreifen, egal ob bereits eingeführt und erklärt: die Lotgröße, mein eingesetztes Kapital, allem voran der Goldpreis, der Wechselkurs des Handelspärchens, das eingesetzte Kapital des Haupt-Traders, etc. und vor allem das Marktumfeld, was sich hier und da isoliert in den genannten Parametern zeigt. Das findet bei mir statt, genauso wie beim Haupt-Trader, denn wir Kopieren Ihn!
Allerdings will ich hier jetzt gar kein Faß aufmachen bzgl. - "hätten diese Änderungen am Bot nicht eher kommen können?". Sicherlich, wenn es im Ergebnis denn besser geworden wäre. Das wissen wir nicht und werden es auch nicht herausfinden können. Wie gesagt: zuviele Parameter mit Wechselwirkungen. Wir haben das wenigste in unserem Einfluss, müssen also viel reagieren, um unseren Teil vom Kuchen abzubekommen. Diese Möglichkeiten zum Antizipieren sind überschaubar und daher ist das vertane Mühe. Dennoch weiß ich, daß viel Simuliert wird, genauso wie Parameter geändert - bisschen Statistik mit ein wenig Probieren dazu.
Wer macht eigentlich die inzwischen ca. 32.500 Trades? Ich jedenfalls nicht! Keinen einzigen Trade habe ich bisher allein getätigt oder frühzeitig beendet, obwohl dies sehrwohl möglich ist. Wie in Teil 1 geschrieben, lasse ich das Thema völlig passiv laufen. Ich folge dem Haupt-Trader mit seinem Bot und kriege die Trades lediglich in meinen Account kopiert.
Daher lasst uns mal forschen: Was ist also ein Trading-Bot? Ein Bot ist ein automatisiertes Computerprogramm, welches macht, was ihm über eine Programmierung gesagt wird. In meinem Fall die Trades von einem anderen Bot kopieren. Überspitzt formuliert: Ich hänge direkt von der Genialität und Grandiosität des Haupt-Traders bzw. seines Bots ab.
Wo ich das jetzt gerade so tippe, fällt mir auf, daß ich genauso klinge, wie jene Mitglieder, welche ich sonst in Telegram banne. Oh je … :-D. Konzeptionell ist das auch irgendwie nahe, aber ich folge eben keiner unbekannten Personen mit unglaublichen Traumrenditen, sondern einem Mit-Investor, welcher persönlich bekannt ist. Mein Haupt-Trader ist ein Nutzer aus der P2P Community, welcher bereits vor Jahren angefangen hat Erfahrung mit Bots zu sammeln. Das aber weit über die Nutzung hinaus, sondern zunächst mit Anpassung, aber eben auch komplett neuem und eigenständigem Ansatz. Deshalb sind die genauen Abläufe auch sowas wie ein "Betriebsgeheimnis" von ihm, aber deshalb heißt es ja auch “CopyTrading” - Nachmachen und darüber teilhaben.
Das Schöne am CopyTrading ist, daß man seinen Kopieraccount jederzeit deaktivieren kann, wenn es dir bspw. in der Weltwirtschaft oder politisch zu heikel wird. Du hast die volle Kontrolle, wenn du das möchtest. Falls der Haupt-Trader Bot seinen Bot deaktiviert hat, bekomme ich verständlicherweise keine Trades mehr kopiert, weil der Bot ja nichts macht. Manchmal passiert das vor wichtigen Terminen, bspw. von der FED oder EZB, um vor Verwerfungen sicher zu sein.
Was macht der Bot im Grundsatz - Es gibt letztlich 2 Betriebsmodi:
"Scalping" - Das sind eher einzelne trades oder kleine Serien, welche manchmal nur wenige Sekunden oder Minuten offen sind und dann hoffentlich mit Gewinn geschlossen werden. Es kommen also pro Tag unter Umständen große Stückzahlen an Trades zu Stande. Mit meiner Nutzungszeit bin ich mittlerweile bei um die ca 32.500 Trades angekommen. Damit wachsen die Gewinne Stunde für Stunde und dieser Modus ist aus meiner Sicht die Cash-Maschine. Dennoch weiß eben niemand wie die Kurse laufen und damit ist der 2. Modus für mich die Rückfallebene.
Wenn der Goldpreis länger gegen die Positionen des Bots läuft, dann kann daraus eine große, länger laufende Serie entstehen, welche als sogenannter "basket" bezeichnet wird. Das meint einfach nur, daß neue trades a) in die gleiche Richtung laufen und b) kontinuierlich nachgekauft wird um den Einstieg bzw. Durchschnitt zur Gewinnschwelle zu verkürzen.
Schauen wir uns also mal an, was der Bot auf meinem Account tatsächlich macht. In der folgenden Grafik seht ihr, wie viele Trades seit meinem Start gleichzeitig offen waren. Jeder Punkt zeigt dabei einen Zeitpunkt, an dem ein neuer Trade eröffnet wurde – und wie viele Positionen zu diesem Zeitpunkt bereits offen waren. Auf den ersten Blick sieht das vielleicht etwas wild aus. Wenn man genauer hinschaut, erkennt man aber recht schnell zwei unterschiedliche Muster: Viele Trades werden innerhalb weniger Minuten wieder geschlossen und die Zahl der offenen Positionen fällt direkt zurück. Dazwischen gibt es immer wieder Phasen, in denen deutlich mehr Trades gleichzeitig offen bleiben und sich nach und nach größere Gruppen bilden – die sogenannten Baskets.
Die vielen Punkte direkt an der Nulllinie zeigen im Wesentlichen das klassische Scalping. Der Bot eröffnet einen oder mehrere Trades, nimmt relativ kleine Bewegungen im Goldpreis mit und schließt die Positionen wieder. Danach beginnt das Spiel von vorne.
Für mich interessanter sind inzwischen die größeren Ausschläge. Hier geht die Rechnung des Bots nicht unmittelbar auf. Die Positionen werden nicht direkt wieder geschlossen, sondern es kommen nach und nach weitere hinzu und ein Basket entsteht.
Dabei kann der Bot grundsätzlich in beide Richtungen handeln: Long, wenn er auf einen steigenden Goldpreis setzt, und Short, wenn er von fallenden Kursen ausgeht. Bewegt sich Gold zunächst in die andere Richtung, wie vorgesehen, können weitere Positionen hinzukommen. Je länger und stärker diese Bewegung anhält, desto größer kann dabei natürlich auch der Drawdown, also der zwischenzeitliche virtuelle Verlust des Accounts, werden.
Damit wird aber auch klar, was anschließend passieren muss: Gold muss sich wieder ausreichend in die für den Basket richtige Richtung bewegen. Dabei muss übrigens nicht jeder einzelne Trade im Plus enden. Entscheidend ist, dass sich die einzelnen Positionen innerhalb des Baskets so ausgleichen, dass der Basket in Summe positiv geschlossen werden kann.
Und genau das lässt sich in der Grafik ziemlich schön beobachten. Auf die größeren Ausschläge folgt irgendwann wieder die Rückkehr auf null offene Trades: Der Basket ist vollständig geschlossen und der Bot startet anschließend mit der nächsten Handelsphase.
Wie groß ein solcher Basket wird, wie lange er offen bleibt und welchen Weg Gold bis zur Schließung zurücklegt, ist dabei jedes Mal anders. Gerade diese Phasen finde ich nach inzwischen ca. 32.500 Trades besonders interessant, weil man hier deutlich mehr über das Verhalten des Bots sieht als bei einem einzelnen Trade, der nach wenigen Minuten wieder verschwunden ist.
Schauen wir uns deshalb drei dieser Baskets einmal etwas genauer an.
Ihr erinnert euch vielleicht an Teil 1 und die 2 gezeigten Beispiele. Dort hatte ich bereits zwei größere Baskets aus dem August gezeigt, die zwischenzeitlich für ordentlich Bewegung auf meinem Account gesorgt haben. Folgend einfach nochmal genannt und um ein 3. aktuelles Beispiel ergänzt
Fall 1: Am 7. August ist der Bot mit 65 offenen Positionen und rund 700 USD virtuellem Verlust ins Wochenende gegangen. In der darauffolgenden Woche lief Gold zunächst weiter gegen die Positionierung des Bots und der Drawdown stieg zeitweise auf rund 2.000 USD an – bei einem Account von damals ungefähr 10.000 USD also durchaus eine Hausnummer. Gleichzeitig wurden weitere Positionen eröffnet und der Basket entsprechend größer. Am Donnerstag, den 13. August, kam dann schließlich die passende Bewegung im Goldpreis und sämtliche Positionen wurden geschlossen. Unterm Strich blieben aus dem gesamten Basket sogar rund 60 USD Gewinn.
Fall 2: Nur wenige Tage später ging das gleiche Spiel von vorne los, dieses Mal allerdings eine Nummer größer. Am 19. August begann der Bot bei einem Goldpreis von rund 4.340 USD auf fallende Kurse zu setzen und eröffnete nach und nach weitere Short-Positionen. Gold hatte allerdings andere Pläne und stieg weiter. Bis zum Wochenende waren daraus bereits 131 offene Trades geworden und am Montag, den 25. August, erreichte der Basket schließlich mit 155 gleichzeitig offenen Positionen seinen Höchststand. Der Drawdown lag in dieser Phase bei -5.052 USD und damit zeitweise bei ungefähr 50 % meines Accounts. Anschließend kam die Bewegung im Goldpreis, die der Basket brauchte, und am 28. August wurden schließlich alle 155 Positionen geschlossen. Auch dieser Basket endete in Summe noch mit rund 90 USD Gewinn.
Fall 3: Am 02.09. begann die sich nächste größere Serie zu entwickeln. Der Aufbau hat sich bis in den 04.09. morgens sehr früh fortgesetzt, was letztlich 114 offene trades bedeutete. Wie üblich stieg Gold unaufhörlich. Der virtuelle Verlust ist auf Basis der offenen Trades bis auf ca. -3.000 USD angestiegen. Dann am Nachmittag die Überraschung, der Goldpreis fällt wie eine gerade Linie nach unten - free climbing würde ich sagen und dann hat ein Griff nicht gesessen. Leider nicht so tief, daß wir den basket analog dem 28.08. schließen konnten. So sind wir mit "nur noch" -1.200 USD ins Wochenende gegangen. Dann am 07.09. morgens zur Abwechselung die positive Überraschung: Wir sind nicht wieder tiefer, wie in den anderen 2 Beispielen, in die Woche gestartet, sondern höher bei -700 USD. Der Tag pendelte vor sich hin und wir haben ganz knapp den Abschluss verpasst. Ich habe den Moment ehrlicherweise verpasst, aber tippe auf 100 oder 200 USD virtuellen Verlust als Hochpunkt sozusagen. Aktuell zur Veröffentlichung des Artikels stehe ich bei -1.200 USD.
Hinweis: nicht wundern, daß der Fall in den folgenden Charts nicht auftaucht - da die Trades noch offen sind, gibt es keine Schließdaten und daher kann nichts datenbasiert dargestellt werden.
Damit stellt sich die Frage, wieso ich das nochmal raushole - es geht um die Perspektiven. Teil 1 war als Einstieg und Beobachtung gedacht und hier in Teil 2 will ich schauen, was sie uns über die Arbeitsweise des Bots verraten. Für mich zeigen sie ziemlich anschaulich, was der Bot macht, wenn seine ursprüngliche Positionierung zunächst nicht aufgeht. Er eröffnet weitere Positionen, der Basket wächst und damit kann natürlich auch der Drawdown deutlich zunehmen. Gleichzeitig sieht man aber auch, dass der einzelne Trade an sich für diese Strategie gar nicht entscheidend ist. Nicht jede Position muss am Ende im Gewinn landen – entscheidend ist, dass die verschiedenen Trades innerhalb des Baskets zusammen funktionieren und der Basket in Summe positiv geschlossen wird.
Die drei Beispiele zeigen ziemlich gut, warum ich mir inzwischen nicht mehr nur die geschlossenen Trades anschaue. Der Bot kann zunächst gegen die ursprüngliche Position laufen, weitere Trades eröffnen und damit den durchschnittlichen Einstieg des Baskets verändern. Dreht Gold anschließend ausreichend weit zurück, kann der gesamte Basket wieder im Gewinn geschlossen werden. Genau diese Arbeitsweise finde ich spannend. Der Bot muss mit seiner ersten Einschätzung nicht zwingend richtigliegen, sondern kann auf eine veränderte Marktsituation reagieren. Gleichzeitig wird aber auch deutlich, dass diese Flexibilität ihren Preis hat: Je größer der Basket wird, desto mehr Kapital wird gebunden und desto stärker können weitere Bewegungen gegen die Position ins Gewicht fallen.
Folgend der Monatschart von Gold mit Einordnung der 3 Beispiele entsprechend Reihenfolge Fall 1 bis 3:
Goldpreischart in USD vom 0809. mit Blick auf Monatssicht, Quelle: https://stock3.com/rohstoffe/gold-133979
Wenn wir mal wieder direkt auf den Fall 2 hineinzoomen, dann sieht man ziemlich gut, gegen welche Goldbewegung der Bot gearbeitet hat. Während Gold weiter nach oben lief, baute der Bot seinen Short-Basket immer weiter aus. Damit wuchs allerdings nicht nur die Zahl der offenen Trades, sondern auch der virtuelle Verlust. Am 25. August erreichte dieser zwischenzeitlich rund 5.052 USD.
Dann drehte Gold. Und genau hier zeigt sich, warum die später eröffneten Positionen innerhalb eines solchen Baskets eine wichtige Rolle spielen. Der Bot musste nämlich nicht darauf warten, dass Gold wieder bis zum Kurs des allerersten Einstiegs bei rund 4.340 USD zurückfällt. Durch die vielen später hinzugekommenen Short-Positionen lag der durchschnittliche Einstieg des gesamten Baskets deutlich höher. Als Gold am 28. August wieder ausreichend zurückgekommen war, konnten deshalb alle 155 Trades nahezu gleichzeitig geschlossen werden – einige mit Gewinn, andere mit Verlust, aber der Basket insgesamt mit rund 91 USD Plus.
Für mich ist genau das einer der interessantesten Punkte bei der ganzen Geschichte. Wenn man nur den ersten Trade betrachtet, könnte man meinen: Der Bot lag schlicht falsch. Schaut man sich dagegen den gesamten Basket an, erkennt man eine ganz andere Logik. Der Bot arbeitet nicht nur mit der Frage, ob Gold nach dem ersten Einstieg sofort in die richtige Richtung läuft, sondern baut seine Positionierung weiter auf und verschiebt damit auch den Punkt, an dem der gesamte Basket wieder positiv geschlossen werden kann.
Das erklärt ziemlich gut, wie der Bot aus solchen Situationen wieder herauskommt. Es beantwortet allerdings noch nicht die mindestens genauso wichtige Frage, was währenddessen auf meinem Account passiert – denn 5.000 USD virtueller Verlust verschwinden ja nicht einfach, nur weil sie noch nicht realisiert sind. Genau da kommen Floating Loss, Drawdown und der notwendige Puffer auf dem Account ins Spiel.
Jetzt geht es endlich um das Risiko und damit etwas technischer. Für die Bewertung meines persönlichen Risikos muss man zunächst wissen, dass der Bot mit XAU/USD sogenannte CFD handelt, also Contracts for Difference – diese sind immer Hebelprodukte. Das steigert die mögliche Rendite, aber eben auch das Risiko. Durch die Standardeinstellung, welcher ich folge, bin ich mit Hebel 1:1000 unterwegs. Bei CFDs geht es immer um die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspunkt. Läuft der Kurs in die richtige Richtung, entsteht ein Gewinn, läuft er in die falsche Richtung, entsteht entsprechend ein Verlust. Was dabei „richtig“ oder „falsch“ ist, hängt natürlich davon ab, ob der Bot gerade auf steigende oder fallende Kurse setzt.
Einen Punkt finde ich dabei wichtig: Der Bot kann nicht in die Zukunft schauen. Er bewertet verschiedene Faktoren und versucht daraus abzuleiten, wie sich Gold entwickeln könnte – mehr aber auch nicht. Wie genau diese Signalentscheidung funktioniert, ist Betriebsgeheimnis und aus meiner Sicht auch gar nicht der entscheidende Punkt. CFDs sind sehr riskant, denn wenn etwas ausfällt oder sich die technischen Kredit- ähm... Kurs-Signale ändern, kann es eben auch ziemlich schnell in die andere Richtung gehen. Der Goldpreis an sich ist bereits ein Kandidat für Überraschungen, denn es geht manchmal sehr gemächlich und stabil in eine Richtung auf Minuten und / oder Tagesbasis, während es manchmal gerade zu sprunghaft nach oben und unten geht. Das heißt die Schwankungen sind heftig. So ein hoch volatiler Basiswert ist an sich ideal für den Bot, welcher zügig die Richtungen ändern kann, wenn seine Annahmen sich bestätigen.
Jedenfalls: Um diese Dynamik und Unvorhersehbarkeit auszuhalten, braucht es eben Puffer im Handelskonto.
Ich habe eingangs schon geschrieben und auch am Wochenendverlauf gezeigt, dass das ziemlich kurzzeitig passieren kann: Gold fällt mit der Goldpreisentwicklung, der Bot baut seine Positionen weiter auf und plötzlich steht da ein virtueller Verlust, der gar nicht mehr so virtuell aussieht. Diese Phasen können ein paar Stunden dauern, aber eben auch mehrere Tage. Bei Fall 2 waren es bspw. am Ende neun Tage. Solange der Basket offen ist, ist dieser Verlust noch nicht realisiert. Trotzdem ist er für mich relevant, denn er reduziert meinen Puffer und damit die Luft, die meinem Handelskonto noch bleibt. Die Zahl der offenen Trades ist deshalb für mich inzwischen immer auch ein Indikator dafür, ob irgendwo ein größerer Basket unterwegs ist. Wenn ich morgens reinschaue und dort beispielsweise 100 offene Trades sehe, weiß ich zumindest: Hier arbeitet der Bot gerade daran seine Verluste durch Nachkäufe zu begrenzen. So kommt der Durchschnittskurs das baskets näher an den realen Kurs zum jeweiligen Zeitpunkt ran. Er verkürzt sozusagen den Weg bis zu rechnerischen 0.
Und dann heißt es für mich tatsächlich: Puffer haben und ggf. mal kurz das Giro-Konto auf den Cashbestand prüfen, um als allerletztes Mittel Nachschießen zu können. Bisher war das niemals nötig, wie aus den folgenden Bildern klarer wird. Ein bisschen ist das wie beim aktuellen P2P-Markt: Dort kann ich einen Kredit ggf. fünf Jahre im Portfolio halten und irgendwann wird er zurückgezahlt. Beim Bot können aus fünf Jahren eben fünf Stunden, oder wie bei Fall 2 auch neun Tage werden. Nur muss mein Account diese Zeit eben überstehen können, denn es sind eben nicht nur die scharfen V-Formen im Verlauf. Es geht mal hoch, mal runter und das mal mehr oder auch weniger. Wenn eine scharfe Kante nach unten kommt, dann muss da Luft sein - sonst ist ALLES weg.
Wie viel Puffer dafür notwendig ist, lässt sich aus meiner bisherigen Erfahrung nicht auf einen einzigen perfekten Wert herunterbrechen. Ich schaue dabei unter anderem darauf, wie viele Positionen offen sind, wie groß der Floating Loss bereits ist und wie viel Reserve ich noch auf dem Account habe. Wenn ich merke, dass der Puffer kleiner wird, muss ich entscheiden, ob ich zusätzliches Geld einzahle oder die Situation weiterlaufen lasse. Wieviel Geld das im Zweifelsfall ist, ob und wann man das macht, ist natürlich reine Anlegerentscheidung. Ich kann sagen, daß mit meinen konservativen Einstellungen ich eben bisher nicht ernsthaft in Gefahr für Liquidierung war.
Wie sich besagter virtueller Verlust seit April tatsächlich entwickelt hat, habe ich einmal visualisiert:
Und die Grafik zeigt ganz gut, warum ich diesen Punkt inzwischen mindestens genauso interessant finde wie die realisierten Gewinne. Über weite Strecken bewegt sich der Floating Loss in einem vergleichsweise überschaubaren Bereich, zwischendurch gibt es aber immer wieder deutliche Ausschläge. Ganz rechts sieht man den inzwischen bekannten 155er-Basket mit dem bisherigen Extremwert von rund −5.053 USD.
Das ist letztlich die praktische Kehrseite der Basket-Logik: Der Bot kann einen Trade weiterlaufen lassen, zusätzliche Positionen aufbauen und darauf warten, dass Gold wieder ausreichend in die für den Basket richtige Richtung läuft. Aber mein Account muss ihm dafür die Zeit und vor allem den finanziellen Puffer geben. Wie viel Puffer ich dafür konkret einplane, was mein Hebel von 1:1000 damit zu tun hat und welche Einstellungen ich beim CopyTrading selbst gewählt habe, möchte ich hier aber noch nicht komplett auseinandernehmen.
Beim Blick auf die vorangegangene Grafik könnte man jetzt meinen: "Ach, das geht doch" - wichtig ist aber, daß der virtuelle Verlust in Relation zur Handelskontogröße gesetzt wird, damit eine Vergleichsgröße gegeben ist. Der virtuelle Verlust sagt, isoliert betrachtet, wenig aus. Ein offener Verlust von 1.000 USD ist bei einem Konto mit 5.000 USD etwas völlig anderes als bei einem Konto mit 50.000 USD. Deshalb schaue ich mir den virtuellen Verlust nicht nur als absoluten Betrag an, sondern auch im Verhältnis zum jeweiligen Kontostand.
Daher nochmal eine andere Grafik, welche genau den Zusammenhang darstellt:
Der große August-Basket ist wieder mal ein anschauliches Beispiel. Bei einem Kontostand von rund 10.326 USD lag der maximale Floating Loss bei etwa 5.053 USD. Das entspricht knapp 49 % des Kontostands. Der Bot hat den Basket später zwar im Gewinn geschlossen, aber zwischenzeitlich war damit ungefähr die Hälfte meines Handelskontos als offener Verlust gebunden. Für mich ist das keine Erkenntnis, die mir den Spaß am CopyTrading nimmt. Im Gegenteil: Sie hilft mir, meine Einstellungen bewusster zu wählen. Wie in Teil 1 formuliert: Ich nutze den Bot passiv und damit muss ich Ihm genügend Luft zum Atmen geben, auch schwierigere Marktphasen zu überstehen. Wie viel Puffer dafür sinnvoll ist, hängt unter anderem von Kontogröße, Lotgröße, etc. ab, aber das ist etwas für die Fortsetzung. Eine Überlebensgarantie gibt es natürlich nie.
Am 30.08. kam Version 4 des Bots online. Zugegebenermaßen eher wie angekündigt, aber das ist ja schön, wenn Dinge auch mal eher kommen, statt später. Grüße an Stuttgart21 oder den BER. Ich bin gespannt und hoffe, daß es wie nach den bisherigen Versionen läuft: Es gibt eine Schippe mehr analog Version 2 und 3. Rendite schmeckt einfach!
Ich bin zu wenig im Bodybuilder-Umfeld unterwegs, aber denke da gerade an sowas wie: Gen-Therapie, wenn wir die Referenz auf Steroide und Wachstumshorme aus Teil 1 ziehen - Wir stärken das Gute gezielt! Ob die Gen-Therapie funktioniert, werden dann die nächsten Trades zeigen. Ich werde jedenfalls weiter beobachten, was sich auf meinem Account verändert – bei den kleinen Trades genauso wie bei den größeren Baskets.
Ob V4 langfristig tatsächlich besser abschneidet, wird sich natürlich erst noch zeigen. Gerade bei einer Strategie mit größeren Baskets möchte ich dafür nicht nur die geschlossenen Gewinne, sondern auch die offenen Positionen und den Drawdown beobachten.
Teil 1 war für mich der Einstieg in eine ziemlich spannende Reise. Teil 2 hat mir gezeigt, dass hinter den vielen kleinen Gewinnen deutlich mehr steckt, als man auf den ersten Blick sieht. Das macht das Ganze für mich nicht weniger interessant – im Gegenteil. Ich verstehe inzwischen besser, warum der Bot tut, was er tut, und kann dadurch auch bewusster entscheiden, mit welchem Risiko ich ihn laufen lassen möchte.
Was weiß ich also nach ca. 32.500 Trades tatsächlich über den Bot? – und was bleibt Blackbox? Meine Einbildung sagt mir, daß ich deutlich mehr weiß durch die reale Praxis von 5 Monaten dabei sein und aktivem Zuschauen. Gleichzeitig merke ich aber auch immer wieder: doch erstaunlich wenig. Ich weiß nicht, was genau im Code passiert, welche Faktoren zu einem Einstieg führen oder wie der Bot seine nächste Entscheidung trifft. Von Verstehen oder gar Vorhersagen bin ich meilenweit entfernt.
Was ich inzwischen aber ziemlich gut beobachten kann, ist sein Verhalten. Ich weiß, dass die vielen kleinen Scalping-Trades nur ein Teil seiner Arbeitsweise sind. Ich weiß, dass er Positionen zu Baskets aufbaut, wenn Gold zunächst gegen seine Richtung läuft, und dass dabei auch einzelne Trades mit Verlust enden können, solange der Basket in Summe positiv geschlossen werden kann. Und ich weiß inzwischen auch, dass genau diese Arbeitsweise zu teilweise erheblichen offenen Verlusten führen kann.
Für mich ist deshalb nach diesem Blick in den Maschinenraum eine Sache besonders hängen geblieben: Entscheidend ist gar nicht, ob der Bot mit seiner ersten Einschätzung richtigliegt. Viel entscheidender ist, wie er damit umgeht, wenn er falschliegt. Denn: Gold bleibt Gold. Der Bot kann noch so viele Faktoren auswerten – die nächste Bewegung kennt er nicht. Ob er deshalb auch den nächsten „Sturm“ übersteht, weiß ich heute genauso wenig wie im April zum Start. Ich kann heute aber wesentlich besser nachvollziehen, was er während eines solchen Sturms eigentlich macht.
Dazu kommt, dass das Ganze nicht statisch ist. Seit meinem Start habe ich V1 bis V4 erlebt. Goldpreis macht, was er will. Ich habe nur gern ein Stück vom Kuchen ab. In der Gemengelage kommt dann noch Makro-Ökonomie dazu, sowie die eine oder andere Wahl demnächst. Es gibt für mich also weiterhin genug zu beobachten und bisschen zu raten, was als nächstes passiert.
Was genau im Maschinenraum passiert, bleibt trotzdem Blackbox. Wobei: Nachdem ich in diesem Artikel 64-mal „der Bot“ geschrieben habe, stellt sich langsam noch eine ganz andere Frage: Braucht er – oder sie oder es – eigentlich einen Namen? Was meint ihr? Soll ich beim nächsten Mal statt über „den Bot“ über Klaus, Lena, Michael oder Gabi schreiben?
Viele Grüße von
Eure Macher
Aurum & Alex